Diakonische Gemeinde

Neue Formate: Kirche trifft Arbeitslose und Arme

„Alle Menschen willkommen heißen“

Neue Arbeit baut Brücken zwischen armen Menschen und Kirchengemeinden

Spaltung ist auch in den Kirchengemeinden sichtbar. Ausgegrenzte und arme Menschen finden immer weniger den Weg in die Kirchengemeinden, die Gräben zwischen den Schichten und Milieus werden tiefer. Die SINUS-Studie „Evangelisch in Baden und Württemberg“ formuliert als Konsequenz, dass Kirchengemeinden sich aufmachen und stärker für die, die bislang oft noch nicht dazu gehören, interessieren müssen. Die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden und dem diakonischen Sozialunternehmen „Neue Arbeit“ mit ihren vielfältigen Standorten in den Sozialräumen und Zugängen zu prekär lebenden Menschen hilft oftmals getrennte Lebensräume zu überwinden und inklusiv zu gestalten.

Dazu wurden im Projekt „Alle Menschen willkommen heißen“ Veranstaltungs-, Begegnungs- und Workshopformate entwickelt und erprobt. Neben vielen Begegnungen zwischen unterschiedlichen Lebenswelten ist eine Fülle an Ideen und Formaten entstanden, wie Brücken gebaut werden können und die Menschen miteinander in Kontakt und ins Gespräch kommen. Dieses steht hier zum Download bereit. Gedruckte Exemplare können über die Geschäftsstelle des Aktionsplans bestellt werden.

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Wichtige Erkenntnisse aus dem Projekt „Alle Menschen willkommen heißen“

Ehrlichkeit ist geboten

Prekäre Schichten und mittelschichtsorientierte Kirchengemeinden fremdeln. Das muss man ehrlich wahrnehmen. Beide Seiten leben in ihrer Milieublase mit den jeweiligen Lebenskulturen, in denen sie Zuhause sind. Darüber darf man nicht hinweggehen. Beide Seiten tragen zur Nichtbegegnung oder zur Begegnung bei. Gerade die Punkte, an denen es knirscht und wo es vielleicht unangenehm wird, sind wichtig, weil dort die Unterschiede und Probleme deutlich werden. Man muss von der Realität ausgehen und nicht vom Wunschbild. Man muss ehrlich aussprechen, was stört.

Man muss Gelegenheiten schaffen, ansonsten passiert nichts

Die Projekte, Gottesdienste und Aktionen fanden statt, weil wir sie wollten und organisiert haben. Eine wichtige Erfahrung ist, dass man nicht zu sehr das „Wollen“, sondern das „Ermöglichen“ in den Vordergrund stellt. Man kann und darf nichts erzwingen. Was passiert, passiert oder eben nicht.

Es braucht Vermittler, es braucht Menschen, die Brücken bauen. Die Neue Arbeit und Diakonie kann das leisten.

Die Neue Arbeit hat Kontakt und Zugang zu benachteiligten langzeitarbeitslosen Menschen und kann diese als Ansprech- und Gesprächspartner vermitteln, weil Kirchengemeinden kaum Kontakt in die Unterschichtmilieus haben.

Betroffene berichten – Kirche hört zu – Leonhardskirche Stuttgart

Es gab Sternstunden der Begegnung:

  • beim Dinner-Sozial mit Menschen der Neuen Arbeit und der Kirchengemeinde Zuffenhausen, weil gute ungezwungene Gespräche stattfanden und es ein tolles gemeinsames Essen gab.
  • Das vierstündige, fröhliche und lässige Dinner-Sozial in der Tafel in Stuttgart-Mitte, mit vier Stunden kochen, zubereiten, vielen Gesprächen und zwanglosen Begegnungen beim gemeinsamen Tun.
  • Bei einer Veranstaltung in der Vesperkirche, wo Betroffene berichteten, spontan die spirituellen Impulse gegeben haben und Kirchenvertreterinnen sehr aufmerksam zugehört haben.
  • Beim Verlesen von Texten und Gebeten an Orten der Solidarität im Rahmen eines Solidaritätsmarsches von Stuttgart nach Bad Boll.
  • Beim sozialpolitischen Nachtgebet in Plochingen, das Arme und Arbeitslose mit Vesperkirchenpfarrerin Gabriele Ehrmann allein gestaltet haben.
  • Das herzliche Willkommen einer Gruppe marschierender Langzeitarbeitsloser und eine grandiose Predigt zum Thema Arbeitslosigkeit in der Stadtkirche Plochingen.
  • Die lebhaften Murmelgruppen in einem Sonntagsgottesdienst in der Paulusgemeinde, die der Frage nachgingen, wie die Kirchengemeinde Langzeitarbeitslose unterstützen kann, und das mitten im Gottesdienst, der dadurch sehr belebt wurde.
  • Als Konfirmandinnen in der Tafel in Stuttgart-Mitte gelernt und verstanden haben, warum die Tafelkunden bei der Ladenöffnung in den Laden stürmen und, und und.

Es lohnt sich Brücken zwischen prekären Schichten und Kirchengemeinden zu bauen. Warum?

  • Menschen aus prekären Schichten sind berührt und überrascht, dass Kirche und Kirchengemeinde sich für sie interessiert.
  • Arme, langzeitarbeitslose und benachteiligte Menschen brauchen Hilfe und Unterstützung, diese können sie in den Kirchengemeinden finden.
  • Kirchengemeinden brauchen lebendige Diakonie und keine „outgesourcte“ Nächstenliebe, die man den diakonischen Profis überlässt.
  • Prekäre hinterfragen Kirche und Kirchengemeinde, das ist wertvoll. Die Begegnungen schärfen den Blick für die christlich inklusive Botschaft.

Welche Formate funktionieren gut und warum?

Dinner-Sozial

weil das gemeinsame Essen Gemeinschaft stiftet, weil man gemeinsam kocht und zwanglose Begegnung möglich ist.

Betroffene berichten – Kirche / Kirchengemeinde hört zu

Das Format fokussiert das achtsame Zuhören, ermöglicht echte Begegnung und erreicht die Herzen. Alle sagen hinterher, das war richtig gut.

Second-Hand Gottesdienste

Mitglieder von Kirchengemeinden können einfach helfen, indem sie Gebrauchtes spenden. Im Gottesdienst und anschließendem Zusammensein findet Begegnung statt. Betroffene können mit der Kirchengemeinde den Gottesdienst gestalten und sich einbringen. Second-Hand ist ein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Vorträge

Thematisieren und ermöglichen tieferes Verstehen. Sie fordern Interessierte auf,  sich mit Themen wie zum Beispiel Armut, Ausgrenzung, Arbeitslosigkeit u.a. zu beschäftigen und ihr Wissen zu vertiefen.

Lesungen

Es ist spannend, lebendige authentische Erfahrungen, Geschichten, Biografien Betroffener kennenzulernen. 

Gottesdienste, Andachten, sozialpolitisches Morgen- bzw. Abendgebet

Das gemeinsame Gestalten und Feiern bereichert beiden Seiten auf vielfältige Art und Weise.

Aktionen mit Konfirmanden

Projektbesuche, zum Beispiel in den Sozialkaufhäusern und Tafelläden, ermöglichen soziales Lernen, bekämpfen Vorurteile und erfreut die Menschen.

Martin Tertelmann, Neue Arbeit

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