Barrierefrei

Bildung leicht zugänglich: Haus der Familie

Ein Haus für alle!

Haus der Familie Göppingen baut Barrien ab

Egal ob ältere, arme, behinderte oder zugewanderte Menschen: Alle sollen im Haus der Familie mitmachen können. Im Januar 2018 fiel mit einer inklusiven Veranstaltung der Startschuss zum Projekt „Ein Haus für alle  – Wir machen mit!“ Mittel aus dem Fonds „Inklusion leben“ tragen dazu bei, dass Barrieren abgebaut und neue inklusive Angebote aufgebaut werden können.

Seit Monaten arbeiten die Mitarbeiter des Hauses der Familie (HdF) in Göppingen an einem Konzept, um die Familienbildungsstätte in vielerlei Hinsicht zugänglicher zu machen. Durch die Unterstützung der „Guten Taten“ der NWZ-Leser konnten entsprechende Schulungen der Mitarbeiterinnen der Familienbildungsstätte finanziell unterstützt werden.

Mit einer vom Haus in Zusammenarbeit mit der evangelischen Erwachsenenbildung im Kreis organisierten sogenannten „Kick-Off“-Veranstaltung wurde nun der Startschuss zum Inklusionsprojekt „Ein Haus für alle?! – Wir machen mit!“ gegeben und erklärt wie das gelingen kann. SWR-Moderatorin Angelika Hensolt führte durch kurzweilige Talkrunden, in denen mit Vertretern unterschiedlicher Partner Schlaglichter auf die Bedeutung, Umsetzung und Herausforderungen von Inklusion geworfen wurden. Damit wurde auch dem Netzwerkgedanken Rechnung getragen, auf deren besondere Bedeutung die Vorsitzende des Trägervereins, Ilse Birzele, beim Thema Inklusion in ihrer Begrüßung hingewiesen hatte.

Man muss sich nun auf den Weg machen, um Barrierefreiheit in jeglicher Hinsicht zu ermöglichen

Barbara Hofgärtner, Leiterin des Hauses der Familie betonte, dass die Einrichtung ein Haus für alle in den unterschiedlichsten Lebenslagen sein wolle. Man müsse sich nun auf den Weg machen, um Barrierefreiheit in jeglicher Hinsicht zu ermöglichen. Dafür sei die Einrichtung aber auf Unterstützung angewiesen, nicht nur in finanzieller sondern auch in ideeller Hinsicht.

Der evangelische Dekan Rolf Ulmer berichtete davon, was die evangelische Kirche im Bezirk für die Inklusion unternehme. Er verwies auf Gottesdienste in leichter Sprache sowie für Menschen mit und ohne Demenz. Das Haus der Familie erachtet er als wichtige Einrichtung, da dort eine noch größere Bandbreite von Menschen angesprochen werde, als dies in der Kirche möglich sei.

Die Zugehörigkeit spielt eine große Rolle

Thomas Meyer-Weithofer von der evangelischen Erwachsenenbildung findet, dass Inklusion aus der Natur der Sache heraus ein Thema der Kirche sei: „Zugehörigkeit spielt eine große Rolle“. Die Kirche müsse hierzu Stellung beziehen und „Angebotskonzepte überdenken“, um den Bereich der Freizeitgestaltung mit einzubeziehen. Das Haus der Familie richte sich tendenziell an eine jüngere Klientel als die evangelische Erwachsenenbildung.

Pfarrerin Elke Theurer-Vogt vom „Aktionsplan Inklusion“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg betonte, dass es die Inklusion schlechthin nicht gebe. Es müsse immer vor Ort der jeweils richtige Weg gefunden werden. In Göppingen sei man auf einem „sehr, sehr guten Weg“, glaubt sie.

Der Redaktionsleiter der NWZ, Helge Thiele sieht in der Inklusion einen Prozess, der wachsen müsse und zu dem viele verschiedene Bausteine gehören. Für die Medien sieht er die Aufgabe dabei, Dinge immer wieder zu erklären, dabei auch einem verengten Verständnis von Inklusion entgegenzuwirken, sowie soziale Projekte zu fördern.

In einer zweiten Runde erläuterten Alexandra Mehler als Küchenleiterin mit körperlicher Einschränkung, Pfarrer Martinus Kuhlo, der im Kirchenbezirk für Inklusion zuständig ist, Kursleiterin Elke Gerhard, die auch Mutter eines Kindes mit Down-Syndroms ist, sowie die Marokkanerin Amal Soyyigit als Besucherin des Familientreffs, worauf es beim Thema aus ihrer Sicht ankommt.

Alexandra Mehler findet, dass bei Umgestaltungen die Betroffenen mitreden sollten. Martinus Kuhlo wünscht sich mehr Verständnis und finanzielle Offenheit beim Kirchenbezirksausschuss sowie der Landeskirche bei Umbauten zur Barrierefreiheit. Nach Auffassung von Elke Gerhard funktioniert Inklusion nur, wenn man bei den Kleinsten damit anfange, dann werde man  dafür mit besonderen, schönen und überraschenden Erlebnissen belohnt. Für Amal Soyyigit war der Besuch im Haus der Familie der erste Kontakt „mit der äußeren Welt“ als sie vor zehn Jahren aus Afrika kam. Sie sei sehr herzlich aufgenommen worden und habe sich immer wohlgefühlt.

Anschließend waren die Besucher aus Kirche, Politik, Verwaltung, den Reihen der KursteilnehmerInnen sowie von KooperationspartnerInnen im brechend vollen Haus aufgefordert, sich an Stellwänden weiter zu informieren, aber auch eigene Ideen und Anregungen dort zu hinterlassen. Zudem konnten die TeilnehmerInnen des Abends „inklusive Momente“ erleben: Dafür standen zum Beispiel ein Mitmachkoffer der Christoffel Blindenmission, Rollatoren und Rollstühle zum Ausprobieren bereit, bevor der Abend bei Gesprächen und Fingerfood der interkulturellen Kursgruppe „Esskultur“ ausklang.

Musikalisch begleitet wurde die Auftaktveranstaltung durch die inklusive Band „Staubstumm“ der Stiftung Haus Lindenhof.

Der Beitrag wurde am 2.2.18 von Axel Raisch in der NWZ online veröffentlicht

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