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Alle erreichen: Mit Medien Kita-Eltern ansprechen

Kita digital: so integrieren und wertschätzen wir Kinder, die sich mit der deutschen Sprache schwer tun

Visuelle Medien helfen bei der Elternarbeit und der alltagsintegrierten Sprachförderung zur Vermeidung von Ausschlussprozessen aufgrund von Sprachbarrieren: Der evangelische Au-Kindergarten in Heilbronn konnte dank des Fonds „Inklusion leben“ im Jahr 2020 einem großen Schritt in Richtung Digitalisierung machen und so Barrieren überwinden helfen.

„Die Post war da!“ staunende Kinderaugen und zahlreiche Hände helfen mir als Erzieherin und Logopädin im Au-Kindergarten beim Auspacken der neuen Medien. In den Päckchen befinden sich unter anderem ein Tablet, Lautsprecher, eine Kamera, eine große Stativleinwand, CD-Player, Laptop, Tiptoi Bücher, Spiele und ein Globus, mehrsprachige Bücher und Memorys und viel Zubehör.

In der Leseecke werden die neuen Bücher und die Vorlesestifte gleich ausprobiert. Die Kinder des Kindergartens haben alle einen Migrationshintergrund und ein Großteil spricht zu Hause eine andere Familiensprache als Deutsch. Der Vorlesestift unterstützt nicht nur den Input der deutschen Sprache und hilft bei der der Erweiterung von Wortschatz und Grammatik. Er kann die Kinder beim Sprechen auch aufnehmen. Ein Ziel des Kindergartens für das neue Jahr ist es, einen Teil der Bücher mit den zahlreichen Sprachen der Kinder zu bespielen. Die Wertschätzung und Nutzung der sprachlichen Kompetenzen der Kinder und ihrer Familien ist ein wichtiger Teil der inklusiven Arbeit und Zusammenarbeit.

Mehrsprachigkeit im Kindergarten als Kompetenz nutzen

Die mehrsprachigen Bücher werden für das Projekt „Eltern lesen vor“ genutzt, bei dem die Eltern der Kinder eingeladen werden, im Kindergarten regelmäßig in ihrer Muttersprache vorzulesen. Die Inklusion der Familiensprachen in der Kita hat gezeigt, dass sich unsere Familien wertgeschätzt und anerkannt fühlen. So schaffen wir eine Grundlage für gutes Lernen und ein harmonisches Miteinander, ist meine Erfahrung dabei. Bis dies umsetzbar ist, können die Bücher und mehrsprachigen Memorys von den Familien in „Sprach-Kita To Go Taschen“ für zu Hause ausgeliehen werden. Außerdem ist geplant, die Eltern einzeln beim Vorlesen zu filmen und anschließend das Video den Kindern auf der neuen Leinwand zu präsentieren.

„Cheese!“ Fotoapparate in Kinderhand – Alltagsintegrierte Sprachförderung

Auch die neuen Fotoapparate werden gleich ausprobiert, und die Kinder bekommen sie in die Hand. Sie machen Fotos von Alltagsgegenständen, die dann zu einem Memory verarbeitet werden. Es werden Suchspiele entwickelt und Fotos zur Beschriftung der Kisten gemacht. Die Kinder sind stolz, wenn sie etwas Neues lernen und erleben. Durch die Portfolioarbeit, eine Entwicklungsdokumentation der Kinder, können auch Eltern vom Kindergartenalltag und der Entwicklung ihrer Kinder etwas erfahren. Fotos und Videos helfen dabei, besonders bei sprachlichen Barrieren im Elterngespräch zu unterstützen.

Elternnachmittag
Elternnachmittag

Visuelle Medien unterstützen die Elternarbeit immens

Frau M. kommt zum Elterngespräch in den Kindergarten. Ihr Deutsch ist noch nicht ausreichend, um alles zu verstehen, worüber die Erzieherin spricht.  So ist sie froh, anhand des Laptops Videos und Fotos ihres Kindes zu sehen und versteht dadurch besser, worum es geht. Häufig haben Eltern mit einem anderen kulturellen Hintergrund unterschiedliche Vorstellung von unserer pädagogischen Arbeit. Die eingesetzten Medien helfen uns hier, Vorurteile abzubauen und die Eltern besser über unsere Arbeit mit ihren Kindern aufzuklären.

Das Tablet wird nun im Alltag mit den Kindern schrittweise eingeführt: um etwas zu übersetzten, ein Foto eines unbekannten Gegenstandes im Netz zu suchen, einer Frage der Kinder nachzugehen, zu recherchieren oder ein Lernspiel zu zeigen, welches dann zu Hause gespielt werden kann. In der Elternarbeit dient es ebenfalls als Übersetzungsmedium, hilft beim Erklären von Wegbeschreibungen zu Behörden, in die städtische Bücherei oder zu anderen Freizeitgestaltungen und Ausflugsziele mit der Familie.

In regelmäßigen Elterncafés zum Thema Medien und dem `richtigen` Umgang mit ihnen erklären wir Eltern mit Tablet und Laptops, wie man Kinder vor den Medien beziehungsweise bestimmten Inhalten nach dem Jugendschutzgesetzt schützen kann, anhand welcher Apps und Links diese als Lernmedium genutzt werden können und welche Regeln es im Umgang mit Medien gibt.“

Larissa Henning

Eingang mit Kindern
Kinder zeigen den Eingang zu ihrer Kita

Die Umwelt aus einer anderer Perspektive heraus wahrnehmen lernen

Erfahrungen mit dem Einsatz von Medien im evangelischen Nikolai-Kindergarten in Heilbronn

Wir haben mit Gesprächen über Medien begonnen, um den Wissensstand und die bisherigen Erfahrungen der Kinder zu ermitteln. Hauptsächlich den der Fünf- bis Sechsjährigen, da wir bei ihnen schon erstes Wissen über Geräte und Sprache sowie Interesse an der Technik bemerken. Den jüngeren Kindern haben wir später die Ergebnisse präsentiert, so dass wir damit auch schon ihre Neugier wecken und eine erste Einführung mit dem Fotoapparat starten konnten.

Mit einem Kind mit Behinderungen versuchten wir über ein spezielles Programm in nonverbale Kommunikation zu kommen, jedoch wurde dieses Angebot von ihm nicht angenommen. Da wir erneut ein Kind mit Trisomie 21 bekommen werden, das auch nicht spricht, wollen wir es nochmals versuchen. Über das wertschätzende Einführen der Medien gelangten wir zur gruppenübergreifenden Projektarbeit, inspiriert durch die Fragen und Interessen der Kinder:

  • Wie geht Film?
  • Wir kann ich etwas groß und klein ran holen?
  • Wir kommen die Fotos auf den Computer?

Sie lernten mit unserer Unterstützung, eigene Produkte zu erstellen, Wissen zu vertiefen, ihre Umwelt aus anderer Perspektive heraus wahrzunehmen und auf diese Weise Medien sinnvoll einzusetzen, sozial und kommunikativ.

Inhalte der Projekte waren:

  • Mit der Digitalkamera den Kindergarten erkunden
  • Mit der Digitalkamera den Frühling finden
  • Mit dem Tablet auf der Buga Blumen fotografieren und später Wissen über sie finden
  • Multimediales Bilderbuch auf dem Tablet zum Frühling über das Wachsen der Blume 
  • Bilderrätsel „nah und fern“ mit dem Tablet
  • Kindergartenzeitung „Was ist los bei uns“ mit Einsatz von Mikrofon, Fotoapparat und Computer in den Rollen des Reporters und des Fotografen; diese war als wachsender Aushang in den Garderoben
  • Slow Motion Filme mit dem Tablet; Wir nutzten Holzfiguren und Gegenstände der Einrichtung und erlebten Film und Fernsehen.
Blick in den Raum
Blick in den Raum

Die Ergebnisse, Dokumentationen präsentierten wir den anderen Kindern und den Eltern als Aushang in der Garderobe, oder bei Elterntreffen. Wir sind immer ins Gespräch gekommen über das Tun, die Beobachtungen, das Erlebte. Wir erweiterten den medienbezogenen Wortschatz und boten somit einen wichtigen Bestandteil zum Aufbau gleicher Bildungschancen.

Wir setzten Medien erfolgreich in der Elternarbeit ein, um Sprachbarrieren zu überwinden, durch:

  • Einsatz von Übersetzungsapps auf dem Tablet
  • Einsatz einer PowerPoint-Präsentation zum bildhaften vermitteln von Inhalten z.B. Thema Osterbräuche und Ostereier anmalen
  • Digitales Buch in den Sprachen unserer Kiga um unseren Alltag besonders neuen Eltern näher zu bringen.

Unser Ziel ist es auch in Zukunft, die Medienerziehung in unserer Einrichtung zu verankern und die Eltern noch mehr durch themenbezogene Elternangebote bei der Medienerziehung zu unterstützen und sie so gut wie möglich einzubeziehen.

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