Aufbrüche ins Quartier

Lebendige Nachbarschaft: das Hohbuch-Cafè

Gemeinschaft, die belebt – Nachbarschaft, die trägt

Das Projekt „Gemeinschaft, die belebt – Nachbarschaft, die trägt“ stärkt vorhandene Netzwerke in der Nachbarschaft und schafft neue Verbindung. Ausgehend von den Erfahrungen im Besuchsdienst der Evangelischen Hohbuchgemeinde, von Gesprächen im Beratungsangebot für finanzschwache und Menschen sowie von Begegnungen am Mittagstisch des Hohbuch-Cafés wurden mit Unterstützung des “Fonds Inklusion leben” die Möglichkeiten einer breiten nachbarschaftlichen Unterstützung im Stadtteil überprüft, erweitert und im Verbund mit weiteren Akteuren im Stadtteil zur Umsetzung gebracht. Koordinatorin Sabine Bahnmüller und Pfarrer Michael Dullstein berichteten:

“In Gemeinschaft von Menschen können wir Verständnis, Wohlwollen und Unterstützung finden. Sie kann uns Kraft im Alltag geben und uns beleben. Diese Gemeinschaft muss uns aber oft erst einmal zugänglich sein. Krankheiten, Altersschwäche, Behinderungen, Scham, Trauer, Armut, Umzüge, kulturelle Hemmnisse können uns von der Teilhabe am gemeinschaftlichen Leben fernhalten. Dann braucht es Menschen in unserer Nähe, die uns begleiten und stärken. Menschen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, die für uns da sind und unaufdringlich ein Stück des Weges mit uns gehen.

Wir möchten festhalten, welche Angebote nach der Projektphase als etabliert gelten können und welche Rahmenbedingungen sie benötigen, um selbstständig bestehen zu können:

Spieletreff, Stricknachmittag und Yoga sind die drei Angebote, die sicher etabliert sind, solange sich die Kursleitungen motiviert für die Fortführung einsetzen werden. Für die Yoga-Kurse ist zudem die Finanzierung geklärt, sodass sie in Kombination mit offenen, kostenlosen Meditationsanboten als festes Angebot in der Kirchengemeinde weitergeführt werden können. Als Rahmen benötigen die Yoga-Angebote jedoch zum einen die Trägerschaft durch den Freundeskreis der Kirchengemeinde als eingetragenem Verein mit seinen unkomplizierten Möglichkeiten der Abwicklung von Honorarzahlungen. Zum anderen immer wieder die Vermittlung von Belangen der Kursleitung an die Kirchengemeinde, durch ein Bindeglied in Haupt- oder Ehrenamt. Spieletreff und Stricknachmittag benötigen langfristig den Betrieb des Hohbuch-Cafés durch die Diakonie, um einen attraktiven Rahmen für ihre Treffen vorzufinden.

Hohbuchgemeinde
Hohbuchgemeinde Veranstaltung

Zur Fortführung des Deutschkurses zeigt sich, dass dieser am besten vollständig in die Trägerschaft des Freundeskreises der Kirchengemeinde von der Grundschule Hohbuch übernommen wird. So können die Honorargelder für die Kursleitung ebenso wie die Aufwandsentschädigung für die Kinderbetreuung unkompliziert gebucht werden. Die Finanzierung ist vollumfänglich über die Zuschüsse der Stadt Reutlingen abgedeckt.

Die Fortführung der Kultur ums Eck, die Umsetzung der Planungen zum Mobilen Café und des Konzepts zum Indoor-Spielplatz sowie eine Überarbeitung des Modells der Besuchspatenschaften müssen als offene Themenfelder betrachtet werden. Pandemiebedingt konnten die entscheiden Schritte zur Absicherung dieser Arbeitsbereiche noch nicht unternommen werden. Die Hoffnung ist daher dies unter folgenden Gesichtspunkten noch nachholen zu können:

Die Kultur ums Eck bedarf der langfristigen Absicherung durch eine fest angestellte Teilzeitkraft. Hierzu müssen im Anschluss an die Förderung aus dem Fonds für Inklusion neue Mittel eingeworben werden. Am Mobile Café erweist sich gerade jetzt mehr denn je der Bedarf an niederschwelligen, kleinen Treffpunkten im Freien. Der Bau und die Anschaffung eines entsprechenden einfachen Hubwagens, wie von der Technischen Hochschule empfohlen, erweist sich daher als sinnvoll. Das Geld für die Anschaffung wurde bislang zurückgelegt, konnte mangels Präsenzbetrieb an der Hochschule aber nicht zur Verwirklichung der Pläne eingesetzt werden.

Der Indoor-Spielplatz bedarf einer Anschubfinanzierung, um Honorare zur Kinderbetreuung abzusichern, ehe Einnahmen akquiriert werden können. Zu überlegen, ist ob das Management für dieses Angebot nicht von vornherein in das Profil einer Stelle eingetragen werden muss, die künftig auch die Kultur ums Eck begleiten kann. Dies entscheidet sich im Zuge der Antragsstellung im Rahmen der Überlegungen zur Kultur ums Eck. Mit dem Beginn des Angebots muss allerdings jetzt ohnehin bis zum nächsten Winter gewartet werden. Die Fragen und Aufgaben zu den Besuchspatenschaften schließlich müssen vollständig in die Zuständig des Pfarramts rücküberführt werden.

Hohbuchgemeinde
Hohbuchgemeinde Weihnachtsstand

Fazit: Erfolgreiche Veranstaltungen, geglückte Kooperationen und Etablierung einer ganzen Reihe neuer, inklusiver Angebote

Das auf Inklusion hin angelegte Projekt „Gemeinschaft, die belebt – Nachbarschaft, die trägt“ hat im Laufe der ersten Monate bereits zu einem neuen Namen gefunden: Will.kommen! Schon darin drückt sich die Eigendynamik aus, die aus der Beteiligungsstruktur der konkreten Arbeit hervorging. Zahlreiche neu gewonnene Ehrenamtliche brachten sich ein und formten kreativ die Teilbereiche des Projekts.

Sehr gelungen ist dabei vor allem die Einbindung von Familien und die Schaffung passender Angebote für sie im Rahmen der Kultur ums Eck und der Vorbereitung eines Indoor-Spielplatzes wie eines Mobilen Cafés. Dies alles zusammengenommen mit dem dringenden Bedürfnis einer Belebung des Gropius-Platzes im Wohngebiet Schafstall öffnen das dreijährige Projekt hin zu einer langfristig notwendigen Quartiersarbeit.

Weiterhin spiegelt sich in den erfolgreich eingeführten regelmäßigen Angeboten (Yoga, Meditation, Stricknachmittag, Spieletreff) die Aufnahme von Bedürfnissen einer mittleren Generation, die bislang ebenfalls unterrepräsentiert in unserer Kirchengemeinde war. Als maßgeblich für das Gelingen und den Fortbestand dieser Angebote zeigen sich das Vorhandensein eines Café-Betriebs im Ev. Gemeindezentrum-Hohbuch, sowie die Absicherung durch eine Vereinsstruktur, wie im Freundeskreis der Kirchengemeinde vorfindlich. Beides sind erneut Faktoren, die für eine Stärkung der Quartiersarbeit in unserer Kirchengemeinde sprechen.

Hohbuchgemeinde
Mobiles Café – Modellbild

Für das Modell der Besuchspatenschaften wird weiter nach passgenauen Lösungen für die Kirchengemeinde gesucht werden müssen. Dies muss auf Grund der seelsorgerlichen und datenschutzrechtlichen Implikationen vom Pfarramt aus geschehen müssen.

Unter den Kooperationen gilt es mit besonderem Dank hervorzuheben:

  • die Zusammenarbeit mit FERDA international, die vor allem half der kulturellen Diversität unseres Stadtteils gerecht zu werden.  
  • Das Miteinander mit dem Jugendhaus Hohbuch in der Veranstaltungsplanung und Vorbereitung weiterreichender Zuschussanträge.
  • Das Zusammenwirken von Kindergärten, Grundschulklassen und dem Förderverein der Grundschule Pünktchen und Anton in der Durchführung einzelnen Veranstaltungen.
  • Die Öffnung der Arbeit für die Belange der Studierenden Dank des engagierten Mitwirkens des Studiengangs Soziale Arbeit.
  • Die Unterstützung durch die Stadt Reutlingen, insbesondere durch das Amt für Schulen, Jugend und Sport (Abteilung Jugend), das Amt für Integration und Gleichstellung und schließlich auch das Ordnungsamt.
  • Die Synergie, die sich aus den Begegnungen mit dem zeitgleich unterstützten Projekt des adis e.V. Talk inklusiv ergab.

Wir hoffen sehr dies Erfahrungen in naher Zukunft in eine langfristige, stabile Quartiersarbeit einbringen zu können.”

Wer steckt hinter „Inklusion leben“?

Haben Sie die Projekte angesprochen und suchen Sie das passende Netzwerk?