Aufbrüche ins Quartier

Begegnung mit den Nachbarn: Atrio vor Ort

Berührungsängste Stück für Stück abgebaut

Mit Hilfe einer auf drei Jahre angelegten Projektstelle, gefördert durch den Fonds „Inklusion leben“, wollte Atrio Leonberg die Vernetzung der Wohnanlage Ramtel und seiner 60 Bewohnerinnen und Bewohner im Stadtteil und in der Kirchengemeinde erreichen. Begegnungen von Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus dem Stadtteil und Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohnanlage sollten ermöglicht werden. Berührungsängste sollten abgebaut und Begegnungen als Bereicherung erlebt werden. Menschen mit Behinderung sollten am Leben der Kirchengemeinde teilhaben. Da Viele in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, war es ein wichtiges Ziel, Begegnungen und inklusive Veranstaltungen auf dem Gelände der Wohnanlage zu ermöglichen. Die Projektleiterin Jutta Baten berichtet:

Was wir erreicht haben

“In der Wohnanlage Ramtel wurde ein Treffpunkt mit Sitzgelegenheiten, Thekenbereich, Küche und schöner Außenterrasse eingerichtet. Der neue „Treff 37“ wurde am 21.2.19 eröffnet. Er ist offen für alle Menschen im Stadtteil und ermöglicht Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung

Der Treff 37 ist regelmäßig donnerstagsnachmittags geöffnet. Bei Kaffee und Kuchen oder beim Spielen können sich Menschen mit und ohne Behinderung zwanglos begegnen. Dieses Angebot wird gut angenommen. Es wurden Kooperationen genutzt oder neu aufgebaut, um weitere Veranstaltungen anzubieten:

  • Ein inklusiver Chor, organisiert von der Lebenshilfe,
  • Kinoabende in Kooperation mit der evangelischen Erwachsenenbildung,
  • Ein Vortrag in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Bürgerverein,
  • Singnachmittage und ähnliches.

Alle Veranstaltungen wurden in einem Programmflyer beworben, der in den örtlichen Geschäften ausgelegt und an viele Haushalte im Stadtteil verteilt wurde. Es konnten neun ehrenamtliche Mitarbeiterinnen gewonnen werden, die sich im Projekt und im Treff 37 engagieren, darunter auch zwei Frauen mit Behinderung. Es sind auch private Kontakte zwischen den Ehrenamtlichen und den Bewohnern der Wohnanlage entstanden.

Blick ins Begegnungscafe Leonberg
Blick auf die Terrasse des Begegnungscafés

Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde

  • Die Kontakte mit der evangelischen Kirchengemeinde Leonberg-Nord wurden intensiviert. Das Projekt „Inklusion Leben im Ramtel“ wurde im Gottesdienst vorgestellt.
  • Im Herbst 2018 nahmen zahlreiche Bewohner und Betreuer der Wohnanlage Ramtel am Herbstfest der Kirchengemeinde teil. In der Kirchengemeinde wurde diese Präsenz sehr begrüßt.
  • Jährlich fand ein Austausch zwischen Konfirmanden und unseren Klienten statt. Für beide Seiten war dies eine gute Erfahrung.
  • Die Kirche im Ramtel war eine der Kirchen der Ausstellung 12 Kirchenbauten der Nachkriegsmoderne in Baden-Württemberg. Klienten von Atrio haben die Bewirtung bei der Ausstellungseröffnung übernommen.
  • Im Jahr 2020 während der Corona-Pandemie entstanden neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde und Wohnanlage: Pfarrerinnen hielten Gottesdienste im Garten der Wohnanlage ab. Mitglieder der Kirchengemeinde musizierten in der Wohnanlage. Konfirmanden schrieben an die Bewohner der Wohnanlage. Bewohner nahmen an Online-Gottesdiensten teil.

Es waren noch weitere gemeinsame Aktivitäten angedacht, die aber nicht umgesetzt wurden, weil die Pfarrerstelle in der Projektlaufzeit zweimal unbesetzt war. Die Zusammenarbeit im Projekt hängt fast ausschließlich an der Pfarrerin, weil es in der Kirchengemeinde nur wenige engagierte Mitglieder gibt, die auch schon zahlreiche Aufgaben haben.

Die räumliche Lage der Kirche im Ramtel ist eine große Barriere für die Bewohner. Die Kirche liegt auf dem Berg und ist nur schwer oder gar nicht zu erreichen. Ideen, Gottesdienste oder andere Gemeindeveranstaltungen in die Wohnanlage zu verlegen, ließen sich nicht realisieren. Die Pfarrerin hat die Erfahrung gemacht, dass die Gemeindemitglieder nicht offen dafür sind, solche Gemeinde-Veranstaltungen an andere Orte zu verlegen. Einige Bewohner der Wohnanlage nehmen daher lieber am Gottesdienst der nahegelegen Immanuelgemeinde teil, wo sie sehr offen empfangen werden.

Corona macht neue Formen der Begegnung möglich

Durch die Corona-Pandemie musste der Treff 37 ab März 2020 für die Öffentlichkeit schließen. Stattdessen fanden Hofkonzerte und Gottesdienste für die Bewohner im Garten der Wohnanlage statt. Dadurch sind neue Kontakte zu Kirchengemeindemitgliedern und anderen Bürgern entstanden, die ohne die Corona-Situation vermutlich nie entstanden wären. Diese Kontakte werden auch über die Zeit der Corona-Pandemie hinaus bestehen und neue inklusive Veranstaltungen ermöglichen. Kaffeenachmittage und Kinoveranstaltungen können seit März nur noch von den Bewohnerinnen und Bewohnern besucht werden. Über den Sommer wurden Sie aber mit Unterstützung der Ehrenamtlichen angeboten, so dass es weiterhin  Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung gab, aber längst nicht im angestrebten Maße.

Wie es weitergeht

Das Projekt ist für die Menschen vor Ort sehr wichtig geworden. Sie genießen es, niederschwellige Angebote der Teilhabe wahrnehmen zu können und mit Menschen ohne Behinderung in Kontakt zu kommen. Auch haben sich gute Kooperationen mit Partnern im Quartier und in der Stadt ergeben. Auf diese Erfolge wollen wir aufbauen, und das Projekt weiterführen und ausbauen.

Für die weitere Arbeit haben wir folgende Schwerpunkte:

  • Wir wollen die Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde fortführen und zusätzlich auch die Immanuelgemeinde Leonberg, die im Stadtteil ihr Gemeindezentrum hat, als Kooperationspartner gewinnen. Die Immanuelgemeinde ist Mitglied der evangelischen Allianz Leonberg und arbeitet auch mit der evangelischen Kirchengemeinde im Ramtel zusammen. Es gibt bereits einige Bewohnerinnen und Bewohner, die Kontakte in die Gemeinde haben. Vorteilhaft ist hier die unmittelbare Nähe der Immanuelgemeinde zur Wohnanlage Ramtel.
  • Wir mussten feststellen, dass wir die Bürger des Stadtteils nur schwer erreichen und dass es Berührungsängste gibt. Deshalb sind wir auf die Stadt zugegangen und haben vereinbart, dass die Stadt als Motor der Quartiersarbeit Menschen und Institutionen aus dem Quartier zusammenbringt, um gemeinsame Projekte und Aktivitäten zu starten. Die aktive Mitarbeit bei dieser Quartiersarbeit ist Teil unseres zukünftigen Projekts. So wollen wir den von uns betreuten Menschen noch mehr Kontakte und Teilhabe ermöglichen.
  • Neu ist auch die Begleitung des Projekts durch Bewohnerinnen und Bewohner der Wohnanlage als Experten in eigener Sache. Sie kennen die Wünsche und Bedarfe der Klienten und sind Multiplikatoren, die andere Bewohner zum Mitmachen motivieren können. Des Weiteren können sie sich in die Quartiersarbeit einbringen, dort ihre Interessen vertreten und Berührungsängste abbauen. 
  • Da aufgrund der Corona-Maßnahmen in den kommenden Monaten vermutlich noch keine inklusiven Veranstaltungen möglich sind, werden wir in dieser Zeit verstärkt digitale Angebote machen. Wir wollen Verschiedenes ausprobieren wie digitale Gottesdienste, Videokonferenzen, Spielangebote per Videokonferenz – und Erfahrungen sammeln, wie wir Menschen mit Behinderungen, die überwiegend wenig Erfahrung mit digitalen Medien haben, auf diesem Weg Teilhabe ermöglichen können.”

Wer steckt hinter „Inklusion leben“?

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